AUGENBLICKE

„Mann kann einem Mann seine Stunden abkaufen, man kann ihm seine Tag stehlen oder sein ganzes Leben rauben. Aber niemand kann einem Mann nur einen einzelnen Augenblick nehmen. So ist das.“

 Augenblicke sind das, was zählt. Augenblicke sind das, woran wir uns erinnern. In einem Augenblick bleibt die Zeit stehen – alles außer das hier und jetzt scheint bedeutungslos. Schier endlos zieht er sich voran.

Meistens ist man überwältigt – von den eigenen Emotionen oder kann nichts fühlen. Erlebt alles unendlich langsam, aber einprägsam.

Augenblicke sind das, was das Leben ausmacht – sie muss man sammeln, denn man kann sich an sie erinnern. Auch noch in 10 Jahren. In 20 Jahren.

Die schönen Augenblicke – der Moment als man in einen Lachkrampf ausgebrochen ist und danach wusste, dass man diese Person jetzt als Freundin bezeichnen kann. Der Moment, als man sich bei Neuschnee nur in Ballkleid auf den Nachhauseweg machte und die Welt plötzlich so hell war, dass man die Kälte gar nicht spüren kann. Diese Augenblicke geben Kraft. Energie. Wenn man an sie zurück denkt, muss man lächeln.

Aber auch die weniger schönen Momente, sind es wert sich zu erinnern. Meistens kann man aus ihnen etwas lernen, meistens machen einen diese Augenblicke weiser. Es wird einem etwas bewusst. Etwa der Moment, wenn jemand schon wieder keine Zeit für einen hat und einem bewusst wird, dass er sich die Zeit einfach nicht nimmt. Dieser Augenblick tut weh, aber letztlich kommt man weiter. Oder der Augenblick, in dem man einen Nervenzusammenbruch bekommt, weil man sich im „Billa“ zwischen verschiedenen Weckerln als Mittagessen nicht entscheiden kann und man merkt, dass man überfordert ist. Von seinem Leben. Und gleich darauf beschließt etwas an seinem Leben zu ändern.

Augenblicke muss man nutzen.

Die Guten als Energielieferanten, die Schlechten als Anlass sein Leben zu verändern. Es muss nie ein großer Schritt sein. Tausend Tapser in die richtige Richtung genügen auch. Das Entscheidende ist, dass man den ersten macht. Das Entscheidende ist, dass man den Augenblick verwendet, dass man es schafft ihn als Anlass etwas zu verändern zu sehen.  Sich nicht einredet, dass alles wieder gut wird, wenn nur… die Sonne wieder mehr scheint, die Prüfung vorbei ist, weniger Stress ist. Weil all diese Dinge kommen und gehen, das ist nur Zeit. Das sind Elemente der Zeit. Zustände. Mal halten sie länger an, mal weniger lang. Solange wir uns nicht an den Augenblicken orientieren, haben wir keine Handlungskraft, sie sagen uns, wann wir handeln müssen. Wann wir handeln können. Den Moment. Das wie steht wohl oder übel uns überlassen. Das ob ebenso. Aber wir wollen unser Leben ja in die Hand nehmen, daher ist das ob eigentlich keine Option.

„BIG MAGIC – CREATIVE LIVING BEYOND FEAR“

 

Letztens wurde mir ein Buch, „Big Magic- Creative Living Beyond Fear“ von Elizabeth Gilbert, empfohlen- ich habe es nicht gekauft, weil es mich so überzeugt hat, so von der Idee her. Ich bin kein Fan von Selbsthilfebüchern, Selbsthilfe und Yoga. Aber vertraue ich der Person, die mir davon erzählt hat, sehr und wollte dem Buch daher doch irgendwie eine Chance geben.

Ich habe es gleich auf Englisch bestellt – damit ich mir wenigstens sicherer sein kann, dass es gut geschrieben ist und keine dummen Übersetzungsfehler enthält.

3 Tage später hatte ich es – 3 Tage später war ich fertig mit dem Buch. Und ich habe es ausschließlich an unserem Küchentisch gelesen – da es unmöglich war, sich nicht dauerhaft etwas rauszuschreiben, über etwas zu schreiben!

Irgendwie soll es ein Ratgeber sein – ein Selbsthilfebuch – gleichzeitig aber auch nicht, was besonders die Autorin immer wieder betont. Es ist eine Anleitung, die einen nicht belehrt – aber einen schönen Weg zeigt, wie es richtig gehen könnte. Die Quintessenz eines Ratgebers ist, dass er geschrieben wurde, um Rat zu geben, was aber bei diesem Buch keineswegs der Fall gewesen sein soll. Es sei nur für die Autorin selbst geschrieben worden, meint sie.

Für mich ist es hauptsächlich beflügelnd – irgendwie macht es gute Laune – macht einem Lust sein Leben selbst in die Hand zu nehmen – etwas dafür zu tun, um glücklich zu werden, um seine Ziele zu erreichen. Und gleichzeitig sagt es einem, dass alles, was man machen möchte, ok ist. Alles was man mit seinem Leben machen möchte ist gut, solange man es will. Alles was man mit seinem Leben macht ist gut, solange man glücklich damit ist.

Das Rezept klingt einfach. Sehr einfach. Vielleicht ein wenig zu einfach für unsere komplexe Gesellschaft, vielleicht aber auch nicht. Denn genau weil unsere Gesellschaft uns so viele Regeln, Vorstellungen und Erwartungen aufdrückt – oder wir zumindest glauben, dass wir sie aufgedrückt bekommen- sind so viele Menschen unglücklich.

Was Elizabeth Gilbert „Creative Living“ nennt ist nichts anderes, als seinen Traum zu verfolgen, das zu machen, was man immer schon machen wollte, diesen Mut einfach aufzubringen, auch wenn es vielleicht von außen betrachtet dumm oder lächerlich erscheint. Wenn es eine 40-jährige ist, die nach einer 25-jährigen Pause wieder mit Eiskunstlauf beginnt. Es geht darum seinem Herz zu folgen, wie schon Franz Kafka sagte: „Follow your most intense obsessions mercilessly“.

Es geht darum sich selbst auszudrücken – durch Kunst, Freizeitaktivitäten und auch die Erscheinung – dann kann von „Creative Living“ gesprochen werden.

Gleichzeitig wird einem zugestanden zu scheitern – es findet nun einmal nicht jeder ein Gedicht, Bild, Foto, Tattoo oder Hobby cool. Um es enger zu sehen, die meisten finden zum Beispiel eine 40 – jährige unbeholfene Eiskunstläuferin neben lauter kleinen dünnen Elfen eher lächerlich, aber so etwas sollte nicht wichtig sein. Es gilt über seinen Schatten zu springen und es zu machen. Trotzdem. Daran zu wachsen und glücklich zu werden.

Das versuche ich gerade. Über meinen Schatten zu springen. Dinge zu finden, die ich liebe. Die ich nur mache, weil sie mir Spaß machen. Gleichzeitig aber mit einer enormen Energie und Obsession.

Jeder sollte solche Dinge haben, jeder kann solche Dinge haben, genau das zeigt einem Elizabeth Gilbert. Sie gibt Mut, alles zu versuchen. Der Glauben, dass es funktionieren könnte kommt auf und macht einem Lust zu kämpfen, für die Dinge, für die man kämpfen sollte.

Denn das Leben ist zu kurz, um Zeit damit zu verschwenden zu existieren – wir sollten beginnen zu leben! So zu leben, wie wir leben wollen. Das zu machen, was uns glücklich macht. Keine Angst vor Entscheidungen  haben, auch wenn sie manchmal extrem schwer fallen. Und vor allem, das zu genießen, was wir machen! Uns die Zeit nehmen, es zu genießen!

Denn wir leben nur einmal, da sollten wir uns nicht kaputt machen. Da sollten wir jede Minute auskosten!